Aktuelle Themen aus der Bildungspolitik

Zum Beginn des Schuljahres gibt die Kultusministerin einen Überblick an die Eltern und Erziehungsberechtigten über bildungspolitische Themen.

Klicken Sie hier, um den Brief in einfacher Spache zu lesen.

Liebe Eltern und Erziehungsberechtigte,

die Sommerferien sind vorbei und das Schuljahr 2026/2027 hat begonnen. Wie mit jedem neuen Schuljahr sind auch mit diesem Veränderungen für Sie und Ihre Kinder verbunden: neue Lehrkräfte, neue Klassenräume, neue Schulfächer, neue Lernmittel wie zum Beispiel digitale Endgeräte und für einige auch eine neue Schule. Für diesen Neustart wünsche ich Ihnen alles Gute.

Wie gewohnt möchte ich Sie zum Schuljahresstart über aktuelle bildungspolitische Entwicklungen und Neuerungen informieren. Rund 80.000 Kinder hatten am vergangenen Samstag ihre Einschulung und erleben aktuell eine besonders aufregende Zeit. Mit den Erstklässlerinnen und Erstklässlern sind es nun 890.000 Kinder und Jugendliche an unseren Schulen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler bleibt damit auf einem hohen Niveau. Deshalb freut es mich, dass wir in diesem Jahr mehr Einstellungen vornehmen konnten als im letzten Jahr und erneut auch eine hohe Zahl neu geschaffener Stellen besetzen können. Die Einstellungen sind ein wichtiger Schritt, um die Schulen zu unterstützen und die Unterrichtsversorgung weiter zu stabilisieren. Dies ist ein Erfolg auf unserem „Weg der 1.000 Schritte“, der mit einer Vielzahl an Maßnahmen für eine bessere Unterrichtsversorgung sorgen soll.

Jetzt folgt ein weiterer wichtiger Meilenstein: Als Niedersächsische Landesregierung wollen wir weitere neue Stellen für Lehrkräfte auf den Weg bringen. Sofern der Landtag zustimmt, werden rund 1.800 zusätzliche Stellen für Lehrkräfte geschaffen. Damit hat das Land Niedersachsen seit Ende 2022 insgesamt über 5.600 neue und zusätzliche Stellen ermöglicht. Hätte ich Ihnen das zu Beginn meiner Amtszeit angekündigt, dann hätten Sie das vermutlich nicht für möglich gehalten. Diese Zahl macht deutlich, welchen Stellenwert Bildung in Niedersachsen hat und ich bin den Schulleitungen und den Regionalen Landesämtern für Schule und Bildung, aber auch den Mitarbeitenden im Kultusministerium sehr dankbar für diese Kraftanstrengung. Denn nun tragen mehr
Kolleginnen und Kollegen dazu bei, die Rahmenbedingungen für guten Unterricht weiter zu verbessern. Mir ist bewusst, dass trotz dieser Neueinstellungen die Unterrichtsversorgung gerade in einigen ländlichen Regionen und bestimmten Schulformen herausfordernd bleibt. Daher werden wir hier nicht nachlassen, sondern weiter Kurs halten.

Darüber hinaus wollen wir sogenannte multiprofessionelle Teams stärken. In multiprofessionalen Teams arbeiten neben Lehrkräften zusätzlich pädagogische Mitarbeitende oder Schulpsychologinnen und -psychologen, um unsere Kinder bestmöglich zu unterstützen. So planen wir in 2027 und 2028 jeweils 100 neue Stellen für Schulsozialarbeitende zu schaffen. Für pädagogische Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter für die inklusive Beschulung an allgemeinbildenden Schulen sowie
an Förderschulen sollen ebenfalls jedes Jahr 100 Vollzeiteinheiten zur Verfügung gestellt werden. Auch an den berufsbildenden Schulen stärken wir die multiprofessionellen Teams, indem wir 2027 und 2028 jeweils 42 Vollzeiteinheiten für die pädagogische Arbeit auf den Weg bringen. Zudem werden im Rahmen des Rechtsanspruchs auf Ganztag viele weitere Stellen in den Schulen entstehen.
Nie zuvor waren mehr Lehrkräfte und unterstützendes Personal an unseren Schulen beschäftigt, die unseren Kindern den bestmöglichen Schulalltag ebnen.

Dieses Schuljahr beginnt die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztag. Niedersachsen war und ist Ganztagsland: Wir haben ein breites und flächendeckendes Ganztagsangebot für alle Erstklässlerinnen und Erstklässler. Viele Schulen und Regionen gehen weit über die Erfüllung des Rechtsanspruchs für Erstklässlerinnen und Erstklässler hinaus und bieten direkt auch schon für
die anderen Klassen Ganztag an. Das ist wirklich sehr beeindruckend, was vor Ort geleistet wird – ich möchte mich daher an dieser Stelle bei allen Beteiligten für den Einsatz bedanken! Das war und ist für die Schulen und für die Kommunen eine echte Mammutaufgabe. Es wird bei der Umsetzung sicher an einigen Stellen ruckeln, weil der Start eines solchen Großprojektes nie ganz reibungslos funktionieren kann.

Wir lassen kein Kind zurück – das ist ein wichtiges Ziel unserer Arbeit. Deswegen freue ich mich sehr, dass mit dem Beginn des neuen Schuljahres die „Sichere Basis“ umgesetzt wird. Schreiben, Lesen und Rechnen sind entscheidend für den weiteren Bildungsweg. Um den Schülerinnen und Schülern in der Grundschule eine sichere Basis für ihr weiteres Lernen zu ermöglichen, haben
wir die Lernzeit in den ersten beiden Schuljahrgängen in Niedersachsen um insgesamt drei Stunden erweitert. Ich freue mich in diesem Zusammenhang auch darüber, dass wir mit dem Inkrafttreten des neuen Schulgesetzes eine Grundlage für ein Bildungsverlaufsregister geschaffen haben. Damit wird es zukünftig möglich, genaue Daten über den individuellen Bildungsweg der Kinder und Jugendlichen zu haben, um sie noch zielgenauer unterstützen zu können. Bislang gibt es diese Daten nur an den jeweiligen Schulen. Durch das neue Register können wir beispielsweise Bildungswege künftig auch bei Schulwechseln lückenlos nachvollziehen. Auch der Datenaustausch von Schule und Jugendberufsagentur in Bezug auf Schulabgängerinnen und Schulabgänger wird verbessert.

Wir wollen, dass alle Kinder und Jugendlichen gerne zur Schule gehen. Deswegen haben wir im Niedersächsischen Schulgesetz jetzt festgeschrieben, dass Schülerinnen und Schüler das Recht auf einen diskriminierungsfreien Schulbesuch haben. Das heißt, dass sie in der Schule nicht wegen Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung, Alter oder Glaube
unfair behandelt werden dürfen. Wenn sie Diskriminierung erfahren, können sich die Schülerinnen und Schüler an die Schülervertretung, Lehrkräfte, Vertrauenslehrkräfte oder Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter an ihrer Schule wenden. Darüber hinaus haben die Kinder und Jugendlichen und auch Sie als Eltern die Möglichkeit, sich in solchen Fällen an die unabhängigen Antidiskriminierungsstellen zu wenden. Die Kontaktdaten finden Sie hier: https://t1p.de/y5cuh. Dort finden Sie auch die Kontaktdaten zur unabhängigen Anlaufstelle für Opfer und Fragen von sexuellem Missbrauch. An diese können sich Ihre Kinder bei Erlebnissen oder Beobachtungen von (körperlichen) Grenzüberschreitungen oder sexuellem Missbrauch wenden und auch Sie als Eltern finden dort Unterstützung.

Mit aktuellen Themen aus der Bildung beschäftige ich mich auch regelmäßig in meinem Video-Podcast unter dem neuen Namen „Bildung GROẞ denken“. Zum Auftakt der neuen Staffel stand das Thema „Deepfakes, digitale Gewalt und Medienkompetenz – Wie Schulen Kinder und Jugendliche stärken können“ im Zentrum. Zu Gast war die Kulturwissenschaftlerin und Sexualpädagogin Madita Oeming. Sie ist Expertin für digitale Gewalt und bietet bundesweit Fortbildungen für Fach- und Lehrkräfte an: https://youtu.be/abKC7a1HDnQsi=3BeLMAeUID0PwJsy


Pünktlich zum Beginn dieses Schuljahres erscheint nun die neueste Folge: Gemeinsam mit Björn Nölte (Gründungsmitglied des Instituts für zeitgemäße Prüfungskultur e. V.)  diskutiere ich über moderne Prüfungsformate auch im Zeichen künstlicher Intelligenz: https://youtu.be/Gg15fcvfd4o. Die beiden Folgen sind auch auf den klassischen Podcast-Plattformen veröffentlicht.


Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern ein gutes Schuljahr!


Herzliche Grüße
Julia Willie Hamburg